Vor sechs Wochen habe ich mich mit englischen Substantiven und Verben im deutschen Sprachgebrauch auseinandergesetzt: mit korrekter Rechtschreibung und Grammatik, aber auch mit Ausnahmen (davon gibt’s bei Anglizismen eine ganze Menge).
Im zweiten Teil meiner Rechtschreibtipps nehme ich mir Zusammensetzungen und feste Fügungen vor. Darüber hinaus gehe ich auf die Besonderheiten englischer und amerikanischer Eigennamen ein. Los geht’s:
Anglizismen und die Rechtschreibung bei Zusammensetzungen
In einem Wort: Substantiv + Substantiv, Substantiv + Adjektiv, Substantiv + Verb
Viele zusammengesetzte Anglizismen schreiben Sie in einem Wort – zwei Substantive ebenso wie Verbindungen von Substantiven mit Adjektiven oder Verben:
- „Airbag“,
- „Background“,
- „Feedback“,
- „Hardcover“,
- „Hotspot“,
- „Inlineskating“,
- „Softdrink“,
- „Paywall“,
- „Roadmovie“ oder
- „Touchpad“.
Ausnahmen: Bestehen Ihre Zusammensetzungen aus zwei Substantiven oder Substantivierungen, können Sie häufig optionale Bindestriche setzen – und dadurch die Lesbarkeit verbessern. Der Duden empfiehlt, getrennt oder zusammenzuschreiben: Daher hilft Ihnen nur ein Blick ins (Online-)Wörterbuch. Ich nenne die empfohlenen Schreibweisen meiner Beispiele an erster Stelle:
- „Assessment-Center“, „Assessmentcenter“,
- „Facility-Management“, „Facilitymanagement“,
- „Investmentbanking“, „Investment-Banking“,
- „Shoppingcenter“, „Shopping-Center“.
Auch Zusammensetzungen mit dem Adverb „online“ können Sie in einem Wort oder mit Bindestrichen schreiben. Hier spricht sich der Duden für die Schreibung in einem Wort aus:
- „Onlinedating“, „Online-Dating“ oder
- „Onlinemarketing“, „Online-Marketing“.
In zwei Wörtern: Adjektiv + Substantiv
Zusammensetzungen von Adjektiven und Substantiven sind in etlichen Fällen (angelehnt an englische oder amerikanische Schreibungen) in zwei Wörtern korrekt. Dabei schreiben Sie beide Wörter groß:
- „Digital Natives“,
- „Direct Marketing“,
- „Electronic Banking“,
- „High Fidelity“,
- „High Society“,
- „New Age“,
- „Nordic Walking“,
- „Open Source“,
- „Public Relations“,
- „Social Media“,
- „Top Ten“ oder
- „Virtual Reality“.
Ausnahmen: Allerdings können Sie einige Adjektive und Substantive zusammenschreiben. Gelegentlich wird angeführt, dies sei dann der Fall, wenn Sie Adjektive gezielt betonen. Allerdings ist eine solche Betonung die Regel – auch bei den links genannten Beispielen, die Sie in zwei Wörtern schreiben müssen. Und unabhängig von der Betonung favorisiert der Duden auch hier Getrennt- oder Zusammenschreibungen. Ich nenne die Duden-Empfehlungen wiederum zuerst:
- „Big Point“ und „Bigpoint“,
- „Blackbox“ und „Black Box“,
- „Fast Food“ und „Fastfood“,
- „Greencard“ und „Green Card“,
- „Happy End“ und „Happyend“,
- „Small Talk“ und „Smalltalk“,
- „Smarthome“ und „Smart Home“.
Mit Bindestrich: Verb, Substantiv oder Adjektiv + Partikel
Vielleicht verbinden Sie Anglizismen mit Partikeln: mit Präpositionen, Konjunktionen oder Adverbien. Solche Zusammensetzungen schreiben Sie in der Regel mit Bindestrichen:
- „Add-on“,
- „Best-of“,
- „Coffee-to-go“,
- „Make-up“ oder
- „No-Go“.
Ausnahmen: Einige Zusammensetzungen dürfen Sie allerdings ausschließlich in einem Wort schreiben: beispielsweise
- „Layout“ und
- „Feedback“.
In anderen Fällen ist die Schreibung mit Bindestrichen oder in einem Wort möglich – wobei der Duden Bindestriche empfiehlt:
- „Burn-out“ und „Burnout“,
- „Bore-out“ und „Boreout“,
- „Play-off“ und „Playoff“ oder
- „Stand-by“ und „Standby“.
Mit Bindestrich: Mehrteilige Anglizismen + Anglizismen und deutsche Wörter
Bestehen Anglizismen aus 3 oder mehr Wörtern, fügen Sie Bindestriche ein. Gleiches gilt für Zusammensetzungen von Anglizismen und deutschen Wörtern:

- „Multiple-Choice-Aufgabe“ (statt „Multiple Choice-Aufgabe“),
- „Best-Practice-Beispiel“ (statt „Best Practice-Beispiel“),
- „Make-up-frei“,
- „Social-Media-Strategie“,
- „Vertriebs-Joint-Venture“ oder
- „Work-Life-Blending“.
Zusammensetzungen + Groß- und Kleinschreibung
Die Groß- oder Kleinschreibung mehrteiliger Zusammensetzungen folgt einem simplen Prinzip. Das erste Wort, Substantive und substantivierte Verben schreiben Sie groß – und alle weiteren Bestandteile klein:
- „After-Work-Party“,
- „Close-up“,
- „Do-it-yourself-Anleitung“,
- „Duty-free-Shop“,
- „Go-go-Girl“,
- „Know-how“.
Ausnahmen: Bei festen Fügungen (Näheres unter „Anglizismen als feste Wendungen“ im nächsten Abschnitt) schreiben Sie auch Substantive klein. Ausnahmen können allerdings die ersten Wörter substantivischer Zusammensetzungen sein:
- „just in time produzieren“,
- „einen Cocktail on the rocks bestellen“.
Anglizismen als feste Wendungen
Feste Wendungen sind Formulierungen, die immer in gleicher Weise verwendet werden. Bei Anglizismen bleibt die englische Orthografie erhalten: Sie schreiben auch Substantive klein und setzen keine Bindestriche. So bei
- „business as usual“,
- „first class fliegen“,
- „just for fun“,
- „on air gehen“ und
- „up to date sein“.
Ausnahmen: Ergänzen Sie feste Fügungen um deutsche Wörter, können Sie englische Substantive klein- oder großschreiben:
- „die Just-in-time-Produktion“ und „die Just-in-Time-Produktion“,
- „eine Cocktail-on-the-rocks-Bestellung“ und „eine Cocktail-on-the-Rocks-Bestellung“,
- „die Up-to-date-Frisur“ oder „die Up-to-Date-Frisur“.
Außerdem legt der Duden bei einigen Wendungen die Großschreibung englischer Substantive fest:
- „Learning by Doing“ oder
- „der Point of no Return“.
Anglizismen als Eigennamen
Die bislang erläuterten Regeln und Ausnahmen zu Anglizismen werden durch eine Sache außer Kraft gesetzt: durch Eigennamen. In einem Wort, in zwei Wörtern oder mit Bindestrichen, mit großen oder kleinen Anfangsbuchstaben: Wenn Sie in Ihren Texten englische oder amerikanische Unternehmen, Institutionen, Marken- oder Eigennamen erwähnen, müssen Sie die dafür festgelegten Schreibweisen übernehmen. Sie schreiben wie im Original:
- „Apple Watch SE 3“,
- „Coca-Cola Zero Sugar“,
- „Delta Air Lines“,
- „iPhone 17 Pro“,
- „Levi’s“,
- „UnitedHealth Group“,
- „Central Park“,
- „Great Barrier Reef“,
- „Tower Bridge“,
- „Statue of Liberty“, „Lady Liberty“ oder „Liberty Enlightening the World“.
Der Rat für deutsche Rechtschreibung hält diesbezüglich fest, dass für Eigennamen „im Allgemeinen amtliche Schreibungen“ gelten – und diese nicht immer den bestehenden Regeln entsprechen (Laut-Buchstaben-Zuordnungen: Vorbemerkungen, 3.2). Mit „amtlichen Schreibungen“ sind alle Namen gemeint, die durch Einträge ins Deutsche Patent- und Markenamt offiziell gemacht wurden.
Ausnahmen: Vielleicht bilden Sie Zusammensetzungen mit Eigennamen: mit deutschen Begriffen oder mit Anglizismen. Dann treten bestehende Rechtschreibregeln zumindest zum Teil wieder in Kraft. Die Schreibweise von Eigennamen bleibt erhalten, aber Zusammensetzungen müssen Sie mit Bindestrichen koppeln:
- „die Delta-Air-Lines-Buchung“ (oder „die Buchung bei Delta Air Lines“),
- „das Levi’s-Best-of“,
- „das Coca-Cola-Zero-Sugar-Layout“ (oder „das Layout von Coca-Cola Zero Sugar“) oder
- „die iPhone-17-Pro-Bestellung“ (oder „die Bestellung des iPhones 17 Pro“).
Last, but not least …
Die geltenden Regeln für zusammengesetzte Anglizismen und für feste Fügungen sind angesichts ihrer Vielfalt und zahlreicher Ausnahmen ziemlich komplex – und Ausnahmen machen auch vor englischen oder amerikanischen Eigennamen nicht halt. Wenn Sie sichergehen und wirklich korrekt schreiben wollen, hilft Ihnen höchstwahrscheinlich nur ein Blick in den Duden.
Dennoch hoffe ich, Ihnen einige Richtlinien mitgegeben zu haben: damit Sie Anglizismen und Zusammensetzungen, aus dem Englischen übernommene feste Fügungen und Eigennamen stilsicher meistern.
Weiterlesen?
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- Anglizismen richtig schreiben (Teil 1): Substantive + Verben
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