Präpositionen (Verhältniswörter) verbinden mehrere Wörter: Sie sagen etwas über Beziehungen oder Verbindungen gewisser Dinge, Personen und Situationen aus.
Wenn ich nach Präpositionen und dem richtigen Fall frage, habe ich Sie wahrscheinlich an Ihrer Achillesferse getroffen. Denn über kaum etwas gibt es so große Unsicherheiten. Heißt es „Es dauert bis zu vier Tage“ oder „Es dauert bis zu vier Tagen“? Oder „dank eines Zufalls“ oder „dank einem Zufall“?
Die Frage nach Präpositionen und dem richtigen Fall ist allerdings nur eine von vielen wissenswerten Facetten. In diesem Beitrag nehme ich mir Interessantes und Beachtenswertes rund um das Thema „Präpositionen“ vor. Und das Problem mit dem richtigen Kasus? Ich habe einige Eselsbrücken für Sie: damit Sie Genitiv, Dativ oder Akkusativ fehlerfrei auswählen können.
Präpositionen und Postpositionen
Präpositionen sind nur eine Seite der Medaille. Ihre (weniger bekannten) Pendants heißen Postpositionen – aber beide teilen sich einige Gemeinsamkeiten:
- Post- und Präpositionen geben an, wann, wo oder warum etwas geschieht.
- Substantive oder Pronomen gehen ihnen voraus oder folgen im Anschluss: „ab Montag“, „wegen des Wetters“, „dir zuliebe“.
- Auch Adverbien sind möglich: „bis jetzt“, „rechts entlang“, „seit gestern“.
- Post- und Präpositionen bestimmen den Fall von vorausgehenden oder folgenden Substantiven und Pronomen.
- Umgekehrt werden beide Verhältniswörter nicht gebeugt: Sie sind unveränderlich.
Präposition
- bedeutet so viel wie „das Vorangesetzte“ oder „das Vorangestellte“
- kann mit Artikeln neue Wörter bilden: „fürs Erste“ (statt „für das Erste“), „zur Arbeit gehen“, „im Büro sein“
Postposition
- folgt nach Substantiven oder Pronomen: „der Einfachheit halber“, „ihm zufolge“, „des Meetings wegen“
- kann häufig zugleich als Präposition verwendet werden
Zirkumposition
- besteht aus zwei Wörtern: ein Teil folgt vor Substantiven oder Pronomen und der andere danach
- „auf Verdacht hin“, „von Rechts wegen“, „von Anfang an“, „von mir aus“
Präpositionen oder Postpositionen
Viele Verhältniswörter können Post- und gleichfalls Präpositionen sein. Sie können sie wahlweise vor oder nach Substantiven und Pronomen einfügen:
- „allen Gepflogenheiten zuwider“ und „zuwider allen Gepflogenheiten“,
- „entgegen seinem Vorschlag“ und „seinem Vorschlag entgegen“,
- „nach meiner Meinung“ und „meiner Meinung nach“,
- „wegen des Termins“ und „des Termins wegen“.
Post- oder Präpositionen und der richtige Fall
Wie bereits gesagt: Post- und Präpositionen legen fest, in welchem Fall vorausgehende oder folgende Substantive oder Pronomen stehen: im Genitiv, Dativ oder Akkusativ. Der Nominativ steht dagegen nie vor oder nach einem Verhältniswort. Wer Muttersprachler(in) ist, dürfte gebräuchliche Formulierungen kennen. Und nur hin und wieder ins Zweifeln geraten, welcher Fall der richtige ist.
Gedächtnishilfen
Einige Merksprüche helfen Ihnen als Gedächtnisstützen – allerdings decken sie nie die gesamte Bandbreite an Post- oder Präpositionen ab, die einen bestimmten Fall verlangen. Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, hilft Ihnen nur ein Blick in den Duden. Oder ins Wörterbuch der Präpositionen des Rats für deutsche Rechtschreibung.
Post- und Präpositionen + Genitiv
„Oberhalb und unterhalb, innerhalb und außerhalb, trotz, unweit, während, wegen, anstatt und statt den zweiten Fall stets bei sich hat.“
Post- und Präpositionen + Dativ
„Mit, nach, von, zu, seit, aus, außer, bei verlangen stets Fall Nummer drei. Auch gegenüber und entgegen kommen dem Dativ stets gelegen.“
Post- und Präpositionen + Akkusativ
„Durch, für, gegen, ohne, um: Der Akkusativ steht hier herum.“
„Durch, für, ohne, um und gegen nach dem vierten Falle streben.“
Falls kein Fall erkennbar ist …
Bisweilen ist überhaupt nicht zu erkennen, ob Post- oder Präpositionen den Genitiv, den Dativ oder den Akkusativ erfordern. Der Kasus wird durch Pronomen und bei Substantiven durch Artikel oder vorangestellte Adjektive gekennzeichnet. Fehlen Pronomen, Artikel oder Adjektive, ist der Fall bestenfalls durch Fragewörter auszumachen:
- „ab Tag 10“,
- „gemäß Vertrag“,
- „pro Stück“,
- „Recht und Gesetz zufolge“.
Und auch Flexionsendungen sind nicht immer gegeben:
- Das (eigentlich verbindliche) Genitiv-S darf bei einigen Substantiven im Singular außen vor bleiben: „wegen Umbaus“ und „wegen Umbau“, „einschließlich Auf- und Abladens“ oder „einschließlich Auf- und Abladen“.
- Das an Dativ und Akkusativ angehängte „en“ ist nur bei einigen Substantiven nötig: „dem Fotografen“ und „den Fotografen“ – aber „dem Usus“ oder „den Vertrag“.
Ist kein Kasus auszumachen und sind keine Flexionsendungen nötig, sind Sie aus dem Schneider: Sie brauchen keinerlei Gedanken an den richtigen Fall zu verschwenden.
Unterschiedliche Fälle: Post- und Präpositionen
Bei Post- oder Präpositionen und dem richtigen Fall kommt es darauf an, wo Sie Verhältniswörter einfügen – falls sie Sie wahlweise vor oder nach Adverbien, Pronomen oder Substantiven einsetzen können. Denn mitunter verlangen Präpositionen einen anderen Kasus als Postpositionen:
- „entlang“: als Präposition im Genitiv („entlang des Lehrgangs“), als Postposition dagegen im Akkusativ („den Lehrgang entlang“) oder
- „zufolge“: als Präposition wiederum im Genitiv („zufolge eines Urteils des BGHs“) und als Postposition im Dativ („einem Gerücht zufolge“).

Wechselpräpositionen
Einige Präpositionen verlangen unterschiedliche Fälle:
Präpositionen mit Genitiv oder Dativ
- „dank“
- „trotz“
- „binnen“ (Genitiv selten)
- „längs“ (Dativ selten)
- „statt“ (Dativ selten)
Andere Präpositionen werden regional oder umgangssprachlich im Genitiv oder Dativ genutzt: beispielsweise
- „während des Gesprächs“ (Standard), „während dem Meeting“ (insbesondere Schweiz, Umgangssprache),
- „aufgrund eines Fehlers“ (Standard), „aufgrund einem Fehler“ (Umgangssprache),
- „mithilfe eines Coachings“ (Standard), „mithilfe einem Coaching“ (Umgangssprache),
- „wegen des neuen Projekts“ (Standard), „wegen dem neuen Projekt“ (Umgangssprache).
Präpositionen mit Dativ oder Akkusativ
- „an“
- „auf“
- „hinter“
- „in“
- „neben“
- „über“
- „unter“
- „vor“
- „zwischen“
Welchen Fall Sie nach diesen 9 Präpositionen nutzen müssen, kommt auf die Bedeutung Ihres Satzes an: Geht’s um einen Ort und fragen Sie mit „Wo?“, ist der Dativ die richtige Wahl. Erwähnen Sie dagegen eine Richtung und fragen mit „Wohin?“, brauchen Sie den Akkusativ.
Unterschiedliche Fälle: Kombinationen von zwei Präpositionen
Gerade die Präposition „bis“ wird häufig mit einem zweiten Verhältniswort kombiniert: „bis auf“, „bis nach“ oder „bis zu“. Nach „bis“ folgt der Akkusativ, nach „auf“ in Verbindung mit „bis“ ebenfalls. „Nach“ und „zu“ verlangen dagegen den Dativ. Hier richtet sich der Kasus nach der letzten Präposition – Sie müssen den Dativ einsetzen:
- „bis nach dem Meeting warten“,
- „bis zu dir fahren“.
Unterschiedliche Fälle: Mehrere Präpositionen
Möglicherweise nutzen Sie mehrere Präpositionen. Das ist kein Problem, wenn Ihre Präpositionen allesamt den gleichen Fall verlangen. Oder wenn Sie einmal den Dativ und einmal den Akkusativ brauchen – und Substantive ohne Artikel verwenden und in beiden Fällen gleich deklinieren:
- „Treffpunkt: vor, neben und bei dem Personaleingang“,
- „Verbesserungen anlässlich und aufgrund der veränderten Situation“,
- „mit und ohne Konfrontation“.
Müssen Sie Ihre Substantive allerdings unterschiedlich beugen, hilft Ihnen nur die Wiederholung Ihres Substantivs – oder eine Formulierung mit Pronomen oder Adverbien:
- „während des Meetings und nach dem Meeting“,
- „während des Meetings und nach ihm“,
- „während des Meetings und danach“.
Eine weitere (grammatisch allerdings nicht wirklich stimmige) Möglichkeit: Sie erwähnen Ihr Substantiv nur einmal – und nutzen dabei den Fall, den die zweite Präposition verlangt. Denn sie geht Ihrem Substantiv unmittelbar voraus:
- „mit und ohne ein Buch“ oder
- „mit und gegen den Uhrzeigersinn“.
Zu guter Letzt …
Zu Anfang hatte ich gefragt, ob „Es dauert bis zu vier Tage“ korrekt ist – oder „Es dauert bis zu vier Tagen“. „Bis“ verlangt den Akkusativ, „zu“ dagegen den Dativ. Und wie deutlich geworden ist, bestimmt „zu“ den relevanten Fall: Daher liegen Sie mit „bis zu vier Tagen“ richtig. Allerdings wird umgangssprachlich gleichfalls der Akkusativ verwendet: „bis zu vier Tage“.
Weiterhin ging es darum, ob „dank eines Zufalls“ oder „dank einem Zufall“ fehlerfreies Deutsch ist. Fehlerfrei sind beide Beispiele: weil Sie nach „dank“ den Genitiv und den Dativ verwenden können.
Was Post- oder Präpositionen und den richtigen Fall betrifft, hoffe ich, Ihnen hilfreiche Tipps mitgegeben zu haben. Und zugleich Wissenswertes über Verhältniswörter vor oder nach Substantiven, Pronomen oder Adverbien. Machen Sie im Zweifelsfall alles richtig – und schreiben Sie grammatisch korrekt.
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