Sie haben Ihren neuen Blogartikel, Ihren neuesten LinkedIn-Beitrag oder Ihren aktuellen Newsletter geschrieben – und wollen Ihre Texte so schnell wie möglich veröffentlichen. Für ein professionelles Korrektorat fehlt Ihnen die Zeit. Und Geld kostet ein externes Korrektorat ja auch noch.
Was spricht dagegen, dass Sie Ihre Blogbeiträge oder Ihre Social-Media-Posts selbst überprüfen? Eigentlich nichts. Doch wenn Sie Ihre Texte selbst korrigieren wollen, brauchen Sie Ihre volle Konzentration. Ich zeige Ihnen, was Ihnen dabei hilft: So finden Sie (hoffentlich) die meisten Fehler. Wenn Sie auf Nummer sicher gehen möchten, können Sie natürlich trotzdem jederzeit ein Korrektorat buchen: Zu den Vorteilen für Sie und Ihr Unternehmen gehe ich abschließend ein.
Ich konzentriere mich in diesem Beitrag übrigens auf mögliche Fehler in Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. Ein Lektorat geht tiefer: Wenn Sie Ihre Texte auch sprachlich überarbeiten wollen, gebe ich Ihnen in einem meiner folgenden Artikel einige Tipps. Haben Sie noch etwas Geduld.
Texte selbst korrigieren: Das ist problematisch

Wir können Wörter vervollständigen, auch wenn sie jede Menge Buchstabendreher enthalten. Wie die Buchstaben angeordnet sind, spielt im Grunde keine Rolle. Sobald der erste und der letzte Buchstabe korrekt sind, erfassen wir Sinnzusammenhänge: Wir achten nicht mehr auf die Reihenfolge der einzelnen Buchstaben.
Gerade, wenn wir Texte selbst geschrieben haben, wissen wir allzu gut, was dort steht stehen soll. Unser Gehirn führt uns umso leichter aufs Glatteis: Wir lesen nicht mehr Wort für Wort, sondern überspringen ganze Wörter oder Wortbestandteile. Daher übersehen wir Rechtschreibfehler und grammatische Patzer. Aber mit folgenden Tipps können Sie Ihr Gehirn austricksen:
1 Gewinnen Sie Abstand
Sie beenden Ihr Skript und überarbeiten es gleich im Anschluss? Das ist der erste große Fehler, falls Sie Ihre Texte selbst korrigieren. Sie brauchen etwas Abstand, um einen frischen Blick zu gewinnen:
- Lassen Sie Ihr Manuskript einen Tag liegen: Schlafen Sie erst mal drüber.
- Wenn Sie genug Zeit haben, warten Sie ruhig zwei oder drei Tage ab.
- So lösen Sie sich von Ihrem Text – und sind weniger betriebsblind.
2 Nutzen Sie ein Korrekturprogramm
Es gibt viele Tools, die Ihnen helfen, Rechtschreibfehler zu finden: Einige analysiere ich in meinem Beitrag Was können automatische Tools zur Rechtschreibprüfung. Korrekturprogramme spüren Buchstabendreher oder doppelte Leerzeichen zuverlässig auf. Doch vieles rutscht ihnen durch: Fehler in
- Rechtschreibung,
- Grammatik,
- Groß- und Kleinschreibung,
- Zeichensetzung oder
- Orthotypografie.
Ein Beispiel: Wenn Sie bestimmte Wörter oder Wendungen in Anführungszeichen setzen, müssen Sie konsequent bleiben – und auch in Bild- und Tabellenunterschriften, Kopf- oder Fußzeilen Anführungsstriche ergänzen. Tools zur Rechtschreibkorrektur bringen diese Konsequenz nicht mit: Sie helfen, aber sie ersetzen keinesfalls ein gründliches Korrektorat.
3 Vier-Augen-Prinzip
Bekanntlich sehen vier Augen mehr als zwei. Lassen Sie Ihre Texte daher gegenlesen. Denn ein prüfender Blick von außen ist unbezahlbar: Anders als Sie selbst wissen dritte Personen nicht, was Sie geschrieben haben. Dadurch verringert sich die „Autovervollständigung“. Leserinnen oder Leser von außen sehen weitaus weniger das, was sie erwarten zu sehen:
- Wenn Sie in einem Unternehmen arbeiten, geben Sie Ihr Manuskript an Kollegen weiter.
- Falls Sie Angestellte haben, lassen eine(n) von ihnen korrigieren.
- Und falls Sie soloselbstständig sind: Vielleicht übernehmen Freunde, Bekannte oder Netzwerkkontakte eine zweite Korrektur.
4 Texte überarbeiten – am Bildschirm
Falls Sie Ihre Texte selbst korrigieren und sie am PC oder an Ihrem Notebook lesen:
- Stellen Sie die Schrift möglichst groß ein.
- Zoomen Sie die Schriftgröße ruhig auf 120, 130 oder 150 Prozent: So erkennen Sie mögliche Fehler besser.
- Verändern Sie die Schriftart und/oder die Schriftfarbe: Dadurch verfremden Sie Ihren Text – und lesen viel konzentrierter.
5 Texte überarbeiten – ausgedruckt auf Papier
Idealerweise drucken Sie Ihre Texte aus. Denn so verändern Sie Ihre Perspektive: vorteilhaft vor allem dann, wenn Sie ständig am PC sitzen. Korrekturen auf Papier sind weniger anstrengend und viel effektiver:
- Auf Papier lesen wir prinzipiell aufmerksamer: Wir finden Tippfehler, falsche Präpositionen, fehlende Wörter oder unnötige Wiederholungen leichter.
- Nutzen Sie auch hier eine große Schrift, einen anderen Font und gegebenenfalls eine andere Schriftfarbe.
6 Lesen Sie Ihre Texte von hinten nach vorn
Rückwärtslesen hat einen klaren Vorteil: Wenn Sie Ihre Texte selbst korrigieren, achten Sie nicht mehr auf Inhalte und Zusammenhänge. Durch das Rückwärtslesen konzentrieren Sie sich viel besser auf die einzelnen Buchstaben. Doch einiges bemerken Sie nicht:
- fehlende Wörter,
- falsche Präpositionen,
- falsch deklinierte Substantive und Pronomen oder
- ob es sich um mehrere Substantive handelt und das Prädikat daher im Plural stehen muss.
Wenn Sie Ihre Texte rückwärts lesen, brauchen Sie für solche Fehler einen zweiten Korrekturdurchgang.
7 Lesen Sie nicht – sondern schauen Sie sich Ihre Wörter an
Ebenso vorteilhaft wie das Rückwärtslesen: Gehen Sie Ihre Wörter langsam und Buchstabe für Buchstabe durch. Achten Sie nicht auf den Inhalt, sondern schauen Sie sich jedes einzelne Wort an. So finden Sie (hoffentlich)
- Buchstabendreher,
- falsche Apostrophe,
- Kommafehler,
- falsch gesetzte Bindestriche,
- Stellen, an denen Gedankenstriche nötig sind,
- Fehler bei Groß- und Kleinschreibungen oder
- überflüssige und fehlende Leerzeichen.
Auch beim Anschauen Ihrer Wörter fehlt Ihnen wahrscheinlich die Aufmerksamkeit für Grammatikfehler: für falsche Präpositionen oder falsch deklinierte Substantive. Auch hier sollten Sie Ihre Texte ein zweites Mal lesen – und Fehler korrigieren.
8 Nutzen Sie Wörterverzeichnisse und Regelwerke
Sie wollen Ihre Texte selbst korrigieren: Wahrscheinlich haben Sie nicht alles im Kopf, was für korrekte Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung gilt. Schlagen Sie daher nach:
- im Duden (Wörterverzeichnis und Rechtschreibregeln) oder
- im amtlichen Regelwerk des Rats für deutsche Rechtschreibung.
Rechtschreibregeln können Sie in beiden Verzeichnissen filtern: beispielsweise nach „Komma bei Nebensätzen“, „Das Komma bei Partizipgruppen“ oder „Der einfache Gedankenstrich“ – im Duden etwas detaillierter.
Auch beim Wörterverzeichnis ist der Duden praktischer: Hier bekommen Sie sämtliche Einträge angezeigt – bei Wörtern, die es als Adverbien, als Präpositionen und als Abkürzungen gibt, jeweils mit separaten Links. Im Onlineverzeichnis des Rats für deutsche Rechtschreibung können Sie nur unsere 26 Buchstaben auswählen – und müssen zu Ihren gesuchten Wörtern scrollen.
9 Lesen Sie Ihren Text laut – und spüren Sie Kommafehler auf
Kommaregeln gibt es jede Menge. Und vielleicht verlieren Sie den Überblick, wo Sie Kommas setzen müssen – und wo nicht. Lesen Sie sich Ihre Texte in diesem Fall laut vor. Das ist eine effektive Hilfe, falls Sie unsicher sind:
- Wenn Sie eine Sprechpause machen, gehört (höchstwahrscheinlich) ein Komma in Ihren Text.
- Laut lesen ist zwar keine Garantie, dass Sie alle Stellen erwischen, an denen Kommas nötig sind – aber Pausen im Lesefluss sind ein klares Indiz.
- Falls Sie Ihre Texte selbst korrigieren, hilft Ihnen lautes Lesen gerade bei sogenannten Kann-Kommas: an Stellen, an denen Sie Kommas setzen oder darauf verzichten können. Denn so merken Sie, wie Sie Ihre Aussagen gewichten: Eine Sprechpause spricht für ein Komma und umgekehrt.
10 Lesen Sie Ihre Texte mehrmals
Konzentrieren Sie sich bei jedem Korrekturdurchgang auf einen anderen Schwerpunkt: auf möglichst korrekte
- Rechtschreibung,
- Grammatik,
- Komma- und Zeichensetzung,
- Silbentrennungen,
- Groß- und Kleinschreibungen,
- Getrennt- oder Zusammenschreibungen.
Mehrfaches Lesen hilft besonders, wenn Sie wissen, dass Sie zu ganz bestimmten Ausrutschern neigen. Wenn Sie sich auf einzelne Facetten konzentrieren, sind Sie aufmerksamer – und entdecken mehr Fehler.
Ein Korrektorat buchen statt Ihre Texte selbst zu korrigieren: Vorteile
Wenn Sie Ihre Texte selbst korrigieren wollen, brauchen Sie Zeit, Ruhe und Konzentration: Bringen Sie diese Kriterien mit, sollte es mit möglichst fehlerfreien Texten klappen.
Aber vielleicht erscheint Ihnen ein eigenes Korrektorat zu aufwendig – und Sie wollen doch lieber in eine professionelle Überprüfung durch eine Korrektorin oder einen Lektor investieren. Auch das hat mehrere Vorteile:
- Lektorinnen oder Korrektoren kennen sich mit den aktuellen Regeln zu Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung aus: mit den neuen Richtlinien des Dudens, die im August 2024 erschienen sind.
- Auch im Umgang mit sprachlichen Zweifelsfällen sind Profis geschult: welche von (mindestens) zwei Varianten richtig oder empfehlenswert ist.
- Ich habe es in meinen 10 Tipps erwähnt: Wenn Sie Ihre Texte selbst korrigieren, müssen Sie sich sehr gut mit den geltenden Rechtschreibregeln auskennen – oder Sie müssen nachschlagen, was zusätzliche Zeit kostet.
- Möglicherweise ist Ihnen gar nicht bewusst, dass Sie Fehler gemacht haben: hinsichtlich gesetzter oder weggelassener Satzzeichen, bestimmter Groß- und Kleinschreibungen oder getrennt und zusammengeschriebener Wörter. Dann wird Ihnen gar nicht auffallen, dass Sie gegen bestehende Regeln verstoßen.
Texte selbst korrigieren – oder doch lieber ein professionelles Korrektorat …
Die Entscheidung, ob Sie selbst korrigieren oder Profis beauftragen, liegt bei Ihnen. Was wäre sinnvoller für Sie: mögliche Kosten oder mehr Zeit für Ihre eigentliche Arbeit? Sicherheit im Umgang mit Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung, wie sie externe Dienstleister(innen) mitbringen – oder Ruhe vor sämtlichen kniffligen Fragen? Diese Fragen können nur Sie selbst beantworten.
Weiterlesen?
- Texte lektorieren lassen? Dann sind diese Informationen wichtig!
- „Das steht im Duden, das ist korrekt“ …?
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