Was ist besser: Ziffern oder Zahlwörter? Ob Sie Ziffern oder Zahlen schreiben, hängt von mehreren Faktoren ab. Und gerade bei Ihren Unternehmenstexten spielen besondere Kriterien eine Rolle.
Etliche Firmen (Ihre eigene auch?) halten sich an eine traditionelle Buchdruckerregel: dass Zahlen von 1 bis 12 in Buchstaben und Zahlen ab 13 in Ziffern geschrieben werden. Dabei ist diese Vorgabe längst nicht mehr aktuell – sondern bestenfalls eine unverbindliche Richtlinie.
Letztlich können Sie Ziffern oder Zahlwörter verwenden. Empfehlungen und einige Rechtschreibregeln gibt es trotzdem. Ich zeige Ihnen, was Sie beachten müssen. Und was für Ziffern und für ausgeschriebene Zahlen spricht: sodass Sie selbst entscheiden können.
Das spricht für Ziffern und für Zahlwörter
Ziffern: Vorteile und geeignete Textarten
- Ziffern sind kürzer, übersichtlicher, schnell zu erfassen – und einprägsam.
- Ziffern fallen auf: Sie garantieren Ihnen Aufmerksamkeit, beispielsweise in Überschriften.
- In Texten mit vielen Zahlen wirken numerische Angaben einheitlich: Sie müssen nicht ständig zwischen Ziffern und Zahlwörtern wechseln.
- Bei einigen Zahlen sind Ziffern geboten (dazu später mehr): Auch hier können Sie ständiges Hin und Her vermeiden.
- Zahlwörter werden groß- oder kleingeschrieben. Bei Ziffern bleiben solche Rechtschreibfragen außen vor.
- Liegt Ihr inhaltlicher Fokus auf Zahlen und/oder enthält Ihr Text sehr viele Zahlen, sind Ziffern besser.
- Zu empfehlen sind Ziffern weiterhin in Sachtexten, Fachpublikationen, wissenschaftlichen Arbeiten oder Geschäftsberichten.
- Numerische Zahlen eignen sich nicht zuletzt für Grafiken, Statistiken oder Tabellen.
Zahlwörter: Pluspunkte und geeignete Texte
- Buchstaben eignen sich für ein- bis zweisilbige Zahlwörter. Ich persönlich halte allerdings auch Dreisilber für vertretbar („dreihundert, „eintausend“).
- Auch am Satzanfang sind ausgeschriebene Zahlen vorteilhafter.
- Zahlwörter stechen weniger aus Ihrem Text heraus: Sie lassen sich angenehmer lesen und „stören“ weniger als Ziffern.
- Während Ziffern präzise wirken, empfehlen sich Zahlwörter für geschätzte oder gerundete Angaben – gerade bei Formulierungen mit „etwa“, „circa“, „rund“ oder „ungefähr“ („zehntausende Besucher“, „rund dreißig Gäste“).
- Zahlwörter eignen sich für Manuskripte mit wenigen Zahlen.
- Und außerdem für beschreibende Texte: nicht nur für Belletristik, sondern auch für Storytelling, Briefe oder E-Mails („Herzlichen Glückwunsch zum sechzigsten Geburtstag!“).
Doppelte Angaben: Ziffern und Zahlwörter
Bisweilen sind Ziffern und gleichermaßen Zahlwörter üblich: um Verwechslungen oder Fälschungen vorzubeugen. Bei doppelten Angaben folgen in der Regel erst Ziffern und danach Zahlenangaben in Worten:
- „50 bzw. fünfzig Stück“,
- „99 (in Worten: neunundneunzig) Euro“.
Gebräuchlich sind doppelte Angaben bei
- Verträgen,
- Quittungen, Schecks, Überweisungen und Gutscheinen,
- sonstigen finanziellen, rechtlichen oder amtlichen Dokumenten.
Ziffern oder Zahlwörter? Meine Tipps für Ihr Unternehmen
Im Falle Ihrer Unternehmenstexte spielen weitere Überlegungen eine Rolle. Ob Sie Ziffern oder Zahlen schreiben, bleibt natürlich Ihre persönliche Entscheidung. Allerdings empfehle ich Ziffern statt Zahlen in Buchstaben:
- Sie müssen nicht hin und her springen – sondern schreiben Texte aus einem Guss.
- Und Sie brauchen keine Gedanken daran zu verschwenden, ob Ziffern oder Zahlwörter geeigneter sind.
- Dass Ziffern kürzer und besser zu erfassen sind, ist gerade bei Websitetexten und Social-Media-Posts entscheidend: Beides wird eher gescannt – und nicht aufmerksam gelesen.
- Bei Ziffern genügt ein kurzer Blick. Zwar lesen wir auch Zahlwörter nicht en détail: Wir erkennen sie anhand ihrer Länge und durch die ersten und letzten Buchstaben. Dennoch brauchen wir etwas mehr Zeit.
- Durch Ziffern ergibt sich weniger „Textmasse“. Sie brauchen weniger Zeichen: relevant gerade für Advertorials und weitere Artikel, bei denen Zeichenzahlen nach oben begrenzt sind.
- Ziffern wirken übersichtlich und konkret: Auf Angeboten, Rechnungen oder Lieferscheinen sind sie Standard, aber auch im Falle weiterer Unternehmenstexte sind sie die bessere Wahl.
Ziffern oder Zahlwörter: Rechtschreibregeln und Empfehlungen
Egal, ob Sie Ziffern oder Zahlen schreiben: Für korrekte Texte sind einige Regeln und hinsichtlich der Verständlichkeit einige Empfehlungen zu beachten.
Ziffern für exakte Zahlen, Zahlwörter für geschätzte Mengen

Da Ziffern konkret wirken, sollten Sie sie tatsächlich nur bei exakten, belegten Zahlen nutzen – und nicht für geschätzte Angaben. Geht’s dagegen um ungefähre Circa-Angaben, empfehlen sich Zahlwörter.
Pronomen und Artikel
Die Ziffer 1 ist tabu, wenn Sie „ein“ oder „eine“ als Pronomen und unbestimmte Artikel verwenden. Richtig liegen Sie allein mit
- „er ist einer von uns“ (nicht „er ist 1 von uns“),
- „ein neuer Fokus“ (nicht „1 neuer Fokus“) oder
- „eine neue Geschäftsführerin“.
Datumangaben, Uhrzeiten, Symbole
In einigen Fällen müssen Sie Ziffern statt Zahlen schreiben:
- selbstverständlich beim Datum (mit Ausnahme der Monate): „28.8.2026“ oder „28. August 2026“,
- bei Uhrzeiten (Ausnahmen sind umgangssprachliche Zeitangaben): „11:35 Uhr“, „gegen halb zwölf“,
- vor Maßeinheiten, (Währungs-)Symbolen und Währungscodes: „12 kWh“, „28 %“, „49 €“, „75 CHF“ oder „99 USD“.
Zwischen Ziffern und Maßeinheiten oder Symbolen folgen übrigens immer Leerzeichen. Lediglich bei Gradangaben gibt es eine Ausnahme: „ein 20°-Winkel“ – aber „20 °C“.
Nummern, Seiten, Stufen …
Vielleicht nutzen Sie Formulierungen wie „Nummer 4“, „Seite 1“ oder „Stufe drei“. Hier sind Ziffern und Zahlwörter richtig. Allerdings hat sich die Schreibung in Ziffern durchgesetzt:
- „Nummer 4“ und „Nummer vier“,
- „Platz 2“ und „Platz zwei“,
- „Phase 6“ und „Phase sechs“,
- „Rang 8“ und „Rang acht“.
Zahlen im Zusammenhang
Ziffern oder Zahlen – schreiben Sie größere und kleinere Zahlen, die sich direkt aufeinander beziehen, sind Ziffern die richtige Wahl. Auch bei Zahlen von 1 bis 12:
- „10 bis 15 Prozent“,
- „5 bis 29 Euro“,
- „13 Monitore und 4 Headsets“.
Ziffern gliedern?
Umfangreichere Ziffern sollten Sie gliedern:
- Ziffern ab 5 Stellen strukturieren Sie von der letzten Ziffer ausgehend nach jeder dritten Ziffer mit Leerzeichen: „633 592 Einwohnerinnen und Einwohner“.
- Lediglich für Geldbeträge empfiehlt die DIN 5008 das Setzen von Punkten – wiederum in Dreiergruppen von der letzten Ziffer ausgehend: „2.450,00 Euro“.
- Nicht gegliedert werden dagegen Jahreszahlen und Postleitzahlen.
Bei weiteren größeren Ziffern – Telefonnummern, IBAN oder ISBN – empfiehlt sich hingegen eine Gliederung. So schreiben Sie lesefreundlicher:
- „Telefon: 0123 456789-123“,
- „Postfach: 65 43 21“,
- „IBAN: DE01 2345 6789 0123 4567 89“,
- „ISBN: 978-3-411-04019-3“.
Ziffern am Satzanfang?
Einen Satz mit einer Ziffer zu beginnen, wirkt unvorteilhaft. Falls Sie prinzipiell Ziffern schreiben oder Zahlwörter zu viele Silben enthalten, sollten Sie Ihre Sätze umstellen:
- „Es nahmen 27 Beschäftigte teil“ (statt „27 Beschäftigte nahmen teil“),
- „Genau 27 Beschäftigte nahmen teil“ oder
- „Dreißig Gäste haben sich angemeldet“.
Zahlwörter: Groß- und Kleinschreibung
Vielleicht nutzen Sie bei kleineren Zahlen Zahlwörter. Dann müssen Sie über die Groß- oder Kleinschreibung entscheiden:
Großschreibung
- Feiertage: „der Erste Mai“, „der Festtag Heilige Drei Könige“,
- Titel und Eigennamen: „der Erste Bürgermeister“, „die Erste Bundesliga“, „die Zehn Gebote“, „der Zweite Weltkrieg“, „Zweites Deutsches Fernsehen“, „der Höhenzug Sieben Berge“,
- in Verbindung mit Artikeln, die sich auf die angegebene Zahl beziehen: „die Acht“, „eine Zwanzig eintragen“,
- substantivierte (Ordnungs-)Zahlen: „die Zahl Drei“, „jeder Fünfte“, „fürs Erste“, „eine römische Neun schreiben“, „Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte“,
- substantivierte Mengen: „ein Dutzend (exakt 12) Artikel“,
- Bruchzahlen: „ein Drittel der Arbeit“, „für ein Fünftel der Gäste …“.
Kleinschreibung
- alle weiteren Zahlwörter: „über dreißig Grad“, „der zweite Platz“, „Platz zwei“, „Wir erwarten hundert (exakt 100) Teilnehmer“, „vierzig angemeldete Besucherinnen“, „der Staatsfeind Nummer eins“, „von null auf hundert“,
- in Verbindung mit Artikeln – wenn Artikel nicht ausdrücklich die angegebene Zahl bezeichnen: „die zwei sind gute Bekannte“ (im Gegensatz zu „die Zwei“),
- (Ordnungs-)Zahlen, die sich auf ein vorheriges Substantiv beziehen: „Ich muss mehrere Projekte bearbeiten, dieses ist schon das fünfte“,
- Bruchzahlen in Verbindung mit adjektivischen Ergänzungen und Maßeinheiten: „das Lager ist drei viertel voll“, „eine zehntel Kilowattstunde“.
Groß- und Kleinschreibung
Einige unbestimmte Mengenangaben können Sie wahlweise groß- oder kleinschreiben – wobei der Duden die Großschreibung empfiehlt:
- „Dutzende/dutzende Gäste“,
- „Hunderte/hunderte Interessenten“,
- „einige Tausend/tausend Messebesucher“,
- „einige Zehntausend/zehntausend Menschen“.
Auch bei folgenden Zahlwörtern plädiert der Duden für die Großschreibung:
- „Erste/erste Hilfe leisten“,
- „der Erste/erste Schulabschluss“,
- „das Zweite/zweite Staatsexamen“.
Dagegen befürwortet der Duden die Kleinschreibung bei
- „der erste/Erste Vorsitzende“,
- „die erste/Erste Heilige Kommunion“.
Zu guter Letzt …
Es gibt keinerlei starre Regeln, ob Sie in Ihren Unternehmenstexten Ziffern oder Zahlen schreiben. Daher können Sie innerhalb Ihrer firmeneigenen Corporate Language individuelle Regeln festlegen.
Beispielsweise können Sie sämtliche Zahlen ab 4 oder 5 Stellen mit Punkten gliedern. Und Nachkommastellen mit Punkten statt mit Kommas abtrennen (wie es in den USA oder Großbritannien üblich ist). Oder grundsätzlich Ziffern nutzen, bei Angaben wie „dreimal“ oder „sechsfach“ aber Zahlwörter einsetzen.
Achten Sie lediglich darauf, einheitlich zu verfahren: Vermischen Sie Ziffern oder Zahlwörter und eigens festlegte Schreibweisen nicht.
Weiterlesen?
- Das Datum richtig schreiben: Kommas, Leerzeichen, Abkürzungen und Grammatik
- Öffnungszeiten, Meetings, Einladungen: Uhrzeiten richtig schreiben
- Corporate Language: Eine individuelle Unternehmenssprache bringt jede Menge Vorteile
- „Über 1 Million Preise zu gewinnen!“ …?

